Projekt: Elternkurs Starke Eltern-Starke Kinder® des Deutschen Kinderschutzbundes für Russischsprachige
Projektleiterin: Inga Ehrenberg, Dipl. Sozialpädagogin (FH Regensburg), zertifizierte Elternkursleiterin, aufgewachsen in der russischen Kultur und seit 9 Jahren in Deutschland.

Projektziel: Der Elternkurs des Deutschen Kinderschutzbundes basiert auf der UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Darüber hinaus ist zentraler Ausgangspunkt das im § 1631 Abs. 2 BGB verankerte Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung. Übergeordnetes Ziel des Elternkurses ist es daher, die russischsprechenden Eltern in ihrer gewaltfreien Erziehungsvorstellung zu stützen und zu fördern sowie das geeignete Handlungsrepertoire verfügbar zu machen. Auf dem Hintergrund der eigenen Kindheit und den Erziehungsvorstellungen der jetzigen Großeltern werden die Eltern ermutigt, durch eigenes Ausprobieren sowie im Gespräch mit anderen Eltern Verhaltensweisen zu überdenken und andere als die bisherigen Vorstellungen zuzulassen. Als Teilziele lassen sich unterteilen:
• Stärkung des Selbstvertrauens von Eltern als Erzieher
• Erleichterung von Gesprächen in der Familien
• Kommunikationsregeln umsetzen
• Werte und Erziehungsvorstellungen in der Familie bewusst machen
• Austausch mit den anderen Eltern
• Vorbeugung psychischer und physischer Gewalt

Ausgangslage: Seit zehn Jahren gibt es schon die Elternkurse Starke Eltern-Starke Kinder®, die die Eltern in ihrem Erziehungsalltag unterstützen. Aufgrund der hohen Anzahl der Spätaussiedlerfamilien bzw. Familien mit Migrationshintergrund aus der ehemaligen Sowjetunion in Regensburg wurde ange-strebt, diesen Kurs auch für diese Zielgruppe anzubieten um möglichst vielen Eltern den Zugang zum Kurs zu ermöglichen.
Der Elternkurs in Muttersprache schafft nicht nur die sprachlichen Barrieren ab, sondern bietet außer-dem die Möglichkeit, vor dem Hintergrund der in der Herkunftskultur erlebten üblichen Erziehungsvorstellungen und Wertvorstellungen, andere Erziehungsmodelle kennen zu lernen. Da die Arbeit in den Kursen sehr intensiv ist und viele persönliche Bereiche anspricht, ist der Aufbau von Vertrauen in der Gruppe, neben dem Prinzip der Freiwilligkeit der Teilnahme, Grundvoraussetzung für das Gelingen eines Kurses. Den aus demselben Kulturkreis stammenden Teilnehmern fällt es leichter ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen, die Probleme anzusprechen. Desweiteren ist das, was am Herzen liegt und was emotional bewegt in der Muttersprache einfacher zu beschreiben. Mit dem Elternkurs in der Muttersprache wird die Grundlage dafür geschaffen.

Beschreibung: Der Kurs umfasst 10 Einheiten je 2,5 Stunden. Pro Treffen wird ein thematischer Schwerpunkt gebildet, der durch ein einprägsames Motto deutlich gemacht wird. Nach der theoretischen Einführung werden die Inhalte erprobt und in Rollenspielen geübt. Die Kurstage schließen mit einer Wochenaufgabe für die Eltern. Sie sollen, angeleitet durch die Aufgabe, das Gelernte im Alltag auch mit dem Partner oder Partnerin reflektieren und festigen. Wochenaufgaben für die Eltern sind z.B.:
• die Anwendung von ICH-Botschaften zu üben,
• zu erproben, wie einfühlsames Zuhören funktioniert,
• Regeln des Verhandelns und der Konfliktlösung auszuprobieren etc.

Eltern lernen Erziehungsfertigkeiten schrittweise nach dem Modell der „ anleitenden Erziehung“, die dem Kurs zugrundeliegt. Dieses Modell wird in fünf aufeinander aufbauenden Stufen erklärt, erprobt und geübt:
1. Klärung der Wert- und Erziehungsvorstellungen in der Familie
2. Festigung der Identität als Erzieher
3. Stärkung des Selbstvertrauens zur Unterstützung kindlicher Entwicklung
4. Bestimmung von klaren Kommunikationsregeln in der Familie
5. Befähigung zur Problemerkennung und Lösung
Dadurch wachsen die „Selbstwirksamkeit“ der Eltern, das Gefühl „ich kann das“ und der Glaube an sich selbst.
Behandelte Kursinhalte sind z. B. Erziehungsvorstellungen und Familienwerte, Psychische Grundbe-dürfnisse des Kindes, Selbsterkenntnis und Ausdrucksfähigkeit, Selbstkenntnis und Geben/Empfangen von Feedback, Kommunikationsformen in der Familie, Rolle und Aufgaben als Erziehende, Erzie-hungsverhalten in Problemsituationen, Ausdruck von Bedürfnissen und Gefühlen, Erziehungsmacht, Grenzsetzungen, Problemlösungsfähigkeiten und Verhandlungskunst.

Kooperation und Vernetzung: Der Elternkurs vom Deutschen Kinderschutzbund wird an zahlreichen Orten Bayerns mit verschiedenen Kooperationspartnern angeboten. Der erste Elternkurs für Russisch-sprachige in Regensburg wurde durch Unterstützung des Ausländerbeirats und der Stadt Regensburg (Amt für Jugend und Familie) ermöglicht. Der zweite, momentan noch laufende Kurs, wurde aus-schließlich in Kooperation mit dem Jugendamt angeboten.
Die Elternkursleiterin ist vor allem bemüht Kontakte zu sozialen Einrichtungen, mit Schwerpunkt auf die Stellen, die mit russischsprechenden Klienten zu tun haben, aufzubauen

Ergebnisse: Erziehung ist eine der verantwortungs- und anspruchsvollsten Aufgaben in jeder Familie. Eltern vermitteln ihren Kindern die notwendigen Kompetenzen und Werte, um eigenverantwortlich zu handeln und mit den Mitmenschen und gesellschaftlichen Strukturen zurechtzukommen.
Viele zugewanderte Eltern stellen jedoch fest, dass so manches in der Kindererziehung in Deutschland anders ist, als sie es gewohnt sind. Im Elternkurs setzten sich die Eltern mit den hiesigen Werten ausei-nander und lernen die in Deutschland üblichen Kommunikationsstrukturen und Vorgehensweisen in einer Konfliktsituation. Vielen Eltern wird erst im Elternkurs bewusst, dass das Recht auf gewaltfreie Erziehung in Deutschland im Gesetzt verankert ist und dass die Verstöße auch zu schlimmen Konse-quenzen führen können. Die Elternkursleiterin greift oft auf ihre Kenntnisse als interkulturelle Trainerin zurück und verdeutlicht den Eltern die kulturellen Unterschiede und deren Einflüsse auf die Erziehung. Das hilft, die Vorurteile gegenüber hiesigen Erziehungsvorstellungen abzubauen. Somit lernen die Eltern den anleitenden Erziehungsstil kennen, verstehen die Verhaltensweisen von den Lehrern in den Schulen und Erziehern in den Kindergärten besser und tragen dadurch zu ihrer eigenen Integration bei. Die Eltern werden offener und, wie die erste wissenschaftliche Evaluation gezeigt hat, trägt der Kurs dazu bei, die Motivation der Eltern an anderweitigen Familienbildungsangeboten und Kursen teilzunehmen, zu steigern.
Indem die Eltern lernen, mit dem Kind anders umzugehen, ihm mehr selbständiges Handeln zu ermöglichen, mehr auf seine Meinung zu hören, respektvoll auch in Konfliktsituationen zu handeln und nicht über die hiesigen Normen und Werte zu schimpfen, erleichtern sie den Kindern, sich der deutschen Gesellschaft zugehörig zu fühlen und tragen damit zu deren Integration in die neue Heimat bei.

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